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Basis-Tipps für gutes Filmen

 

  • Ein Film ist in der Regel nicht die Abbildung der Realität im Zeitmaßstab 1:1. Ein solcher "Film" wäre wahrscheinlich außerordentlich langweilig. Filmen heißt vielmehr, die entscheidenden und/oder typischen Momente eines Vorganges oder Ereignisses mit der Kamera einfangen, um aus diesem Material dann – nach entsprechender Nachbearbeitung (Montage/Schnitt, Kommentar, Vertonung etc.) – eine fesselnde Geschichte zu machen; oder auch mehrere.
  • Man kann später beim Schneiden nichts montieren, was man vorher nicht gefilmt hat! Es gilt der Satz: "Think first - shoot later", d.h. unbedingt vorher überlegen, welche "Geschichte" man erzählen will und welche Bilder/Einstellungen man dazu benötigt. In den seltensten Fällen kann man fehlende Einstellungen später problemlos nachdrehen.
  • Der kleinste Baustein in einem Film ist die Einstellung ('take'), populär auch Szene genannt. Bei der Videobearbeitung spricht man auch von 'clip'. Darunter versteht man bei einer Aufnahme die Filmzeit vom Starten bis zum Stoppen der Kamera. Das Aneinanderreihen von isolierten Einzelaufnahmen, also von Einstellungen, die inhaltlich nicht miteinander verbunden sind, ist kein Film, sondern eine Dia-Schau!
  • Die Zehn-Sekunden-Regel beachten. Viele Profis empfehlen: "Keine Einstellung kürzer als zehn Sekunden!" Auch wenn ich später vielleicht nur zwei Sekunden brauche! Begründung: Allein durch unvermeidbare Wackler beim Starten und Stoppen der Kamera fallen vorne und hinten schon einmal jeweils eine Sekunde weg. Sehr oft entdeckt man später im Clip noch störende Geräusche oder störende Bildinhalte, die man bei der Aufnahme nicht bemerkt hat. Auch diese Teile sind unbrauchbar. Dann ist man oft froh, wenn noch genügend brauchbares Material übrig bleibt. Selbst wenn später beim Schnitt beispielsweise nur zwei Sekunden für eine Großaufnahme von einem Gesicht benötigt werden, ist es immer ein Vorteil, aus einer längeren Passage das beste Stück auswählen zu können (z.B. ohne Blinzeln, richtige Blickrichtung, passende Mimik).
  • Ein Film besteht aus Sequenzen. Darunter versteht man eine zusammen gehörende Folge von Einstellungen: Der Kameramann "zerlegt" beim Filmen einen Vorgang in mehrere Einstellungen mit jeweils unterschiedlichen Einstellungsgrößen – ähnlich wie unser Auge beim Betrachten eines Handlungsablaufes oder Gegenstandes von einem Detail bzw. Ausschnitt zum anderen "springt".
  • Beim Filmen einer Sequenz wird übrigens nicht nur die Einstellungsgröße variiert, sondern auch Kameraposition und Kameraperspektive. Durch die Kameraarbeit wird auf diese Weise im zweidimensionalen Medium Film die dritte Dimension, die Raumtiefe, dargestellt.
  • Weiterhin wird ein gefilmter Vorgang dadurch plastisch, dass bei der fotografischen Gestaltung der einzelnen Einstellungen auf eine entsprechende Bildtiefe geachtet wird (z.B. Vordergrund – Mitte – Hintergrund).
  • Großaufnahmen! Großaufnahmen! Großaufnahmen! Mit Hilfe von Groß- und Detailaufnahmen kann die Kamera den Zuschauer so nah an Dinge oder Vorgänge heranführen, wie er es sonst vielleicht nie erlebt. Das macht einen großen Teil der Faszination des Mediums Film aus.
  • Wenn sich im Bild etwas bewegt, sollte die Kamera ruhig sein; und wenn im Bild nichts "lebt" (z.B. Mauern, Gebäude), dann darf bzw. sollte sich die Kamera bewegen.
  • Bewegt sich etwas durch das Bild, z.B. ein Fahrzeug fährt von rechts nach links (oder umgekehrt), dann sollte die Kamera nicht zu früh gestoppt werden. Es stört, wenn eine Bewegung "mitten im Bild" unterbrochen wird. Deshalb einen bewegten Bildinhalt immer aus dem Bild "herauslaufen" lassen.
  • Sparsam mit Zooms! In erster Linie wird das Zoom für die Auswahl der Einstellungsgrößen benutzt. Gelegentlich kann man mit dem Zoom eine Fahraufnahme simulieren, um den Zuschauer zu einem bestimmten Bildinhalt hinzuführen oder um ein Detail wieder in eine Gesamtschau einzubinden.
  • Sparsam mit Schwenks! Schwenks sind keine "Motivsuche mit der Kamera"! Unser Auge "schwenkt" normalerweise auch nicht. Lediglich, wenn wir etwas gezielt suchen oder etwas im Blickfeld verfolgen, "schwenken" unsere Augen mit. Beim Filmen sollte jeder Schwenk immer von einem vorher definierten Startpunkt zu einem vorher definierten Endpunkt führen. Schwenks unbedingt vorher mehrfach "trocken" üben.
  • Jeder Schwenk beginnt und endet mit einer unbewegten Kamera ("7-Sekunden-Regel"). Einen Schwenk nicht mitten in der Kamerabewegung abbrechen. Gleiches gilt für Zoomfahrten.
  • Beim Filmen nicht nur die Aktion(en), sondern auch die Reaktion(en) ins Bild setzen. Deswegen beim Aufnehmen eines Geschehens, bei dem Zuschauer anwesend sind, grundsätzlich immer einige (Groß-)Aufnahmen von Zuschauern und/oder auch von anderen Beteiligten "schießen".
  • Beim Aufbau einer Filmgeschichte sind die drei klassischen Elemente des dramaturgischen Spannungsbogens zu beachten: (1) Überlegt gestalteter, schneller Einstieg, anschließend (2) Hinführung zu einem Höhepunkt (ggf. zu mehreren), und  dann (3) schneller Schluss. Rein handwerklich gesehen werden Anfang und ein Ende eines Films normalerweise durch eine Aufblendung zu Beginn und eine Abblendung zum Schluss ausgedrückt.
  • Ach ja, nicht vergessen: Wenn irgend möglich ein Stativ benutzen! Besonders bei Aufnahmen im Telebereich (etwa für Groß- oder Detailaufnahmen) haben auch Filmer mit der so genannten "ruhigen Hand" keine Chance auf wackelfreie Bilder! Wackelige Bilder stören. Sie reißen den Zuschauer aus der Filmillusion, weil sie die handwerklichen Fehler des Kameramannes bewusst machen.

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